Technikwürze

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Transkript der Folge

  1. David

    Herzlich willkommen zu Technikwürze, dem Design und Webstandards Podcast in Folge neunundzwanzig von Montag, den zehnten Juli 2006. Nadja Müller erklärt, was Usability ist. Marcel Schwarzenberger und ich sprechen heute über barrierefreie Webseiten für Sehbehinderte. Das ist ein ganz spezielles Thema, aber ein Thema mit sehr hohem Nutzwert. Nachher dazu mehr. Außerdem bringen wir Impression und Live Statements von der Fachtagung in Hannover, Niedersachsen eine BITV freie Zone vom dritten Juli.

    Mein Name ist David Marcesko und ich heiße euch herzlich willkommen.

    Technik.

  2. Nadja

    Usability im Überblick. Lassen Sie Ihre Besucher nicht unnötig nachdenken, heißt es im Buch Don't Make me Think von Steve Krug, das mittlerweile zu einem der Standardwerke im Bereich Website Usability geworden ist. Und damit fasst es die Kernaussage der Usability hervorragend zusammen. Erleichtern Sie Ihren Besuchern also die Arbeit auf Ihrer Webseite. Doch was ist Usability?

    Usability bedeutet Benutzerfreundlichkeit beziehungsweise Gebrauchstauglichkeit und bezeichnet die Eignung einer Website oder Anwendung in Bezug auf seine Verwendung. Um benutzerfreundliche Webangebote zu entwickeln, gehört zu den wichtigsten und leider auch am häufigsten vernachlässigten Aufgaben eines Webentwicklers. Wieso ist Usability so wichtig? Die Website Usability Know how gibt darauf folgende Antwort.

    "Aus der Sicht des Benutzers ist Usability deshalb so wichtig, weil der Benutzer seine Aufgabe entweder richtig und vollständig mit dem System erledigen kann oder nicht. Er kann den Arbeitsprozess entweder gerne vollziehen oder frustriert sein, weil es nicht funktioniert. Aus Entwicklersicht ist Usability deshalb so wichtig, weil es den Erfolg oder Misserfolg eines Systems bestimmt. Denn fehlende Benutzerfreundlichkeit kostet Zeit und Aufwand und bestimmt über den Erfolg eines Systems.

    Gibt man den Benutzern die Wahl, würden sie immer dazu tendieren, ein benutzerfreundliches System zu kaufen." Wie setze ich das um? Besucher einer Website besuchen diese Website mit bestimmten Zielen, zum Beispiel um etwas zu kaufen oder Informationen zu finden. Und das wollen sie sofort. Daher ist es wichtig, bei der Erstellung einer Website einfache Forderungen zu beachten, die es dem Nutzer einfacher machen, sein Ziel zu erreichen. Erstens, vermeide Hindernisse.

    Zweitens, vermeide unnötige Wartezeiten. Drittens, vermeide Einarbeitung. In unzähligen Büchern, Artikeln und Präsentationen wird auf das Thema eingegangen. Wir haben euch die aus unserer Sicht besten herausgesucht. Die Links findet ihr in der Mitschrift zu diesem Beitrag. Mikroformate. Bei Mikroformaten handelt es sich um ein Set an einfachen und offenen Standards zur semantischen Auszeichnung von Daten auf Basis weitverbreiteter existierender Formate.

    Ziel von Microformats ist es, existierenden und zukünftigen Microcontent, zum Beispiel einen Blogeintrag, so zu erweitern, dass er nicht nur in erster Linie für Menschen lesbar ist, sondern in zweiter Linie auch für Maschinen interpretierbar wird.

    Microformats gehen nach der Trennung von Inhalt und Form durch XHTML und CSS einen Schritt weiter und bereichern bestehendes XHTML um Auszeichnungsstandards, die es ermöglichen, auf einfache und unkomplizierte Art und Weise die enthaltenen Informationen so auszuzeichnen, dass sie eine Semantik aufweisen, die auch Maschinen interpretieren können. Durch die Nutzung von Mikroformaten wird der Inhalt, den wir produzieren, wertvoller, da er wiederverwertbar ist.

    Er kann einmal erzeugt, extrahiert und in andere Anwendungen integriert werden, um ein strukturierteres Bloggen oder eine strukturiertere Microcontent-Veröffentlichung zu erhalten. Nützliche Informationen zu Mikroformaten erhaltet ihr beispielsweise im deutschsprachigen Wiki zu Mikroformaten auf der offiziellen Microformats-Website oder bei Eric Eggert.

  3. David

    Nützliches.

  4. Nadja

    Zusätzlich wollen wir euch heute zwei sehr nützliche Quellen für die Webentwicklung näher bringen. Kostenlose Vorlagen für Webseiten erhaltet ihr auf Open Source Web Design. Die meisten der angebotenen Templates basieren auf XHTML und CSS und werden unter unterschiedlichen Lizenzen zur kostenlosen Nutzung angeboten. Zehn Webentwicklersammlungen zu JavaScript, Ajax, PHP, CSS und Farbenlehre werden von Cameron Outrus in seinem Beitrag Top Ten Web Developer Libraries genannt.

  5. David

    Barrierefrei. Was können wir als Webentwickler dafür tun, dass Menschen einen leichteren Einstieg in unsere Webseiten erhalten? Um diese Frage beantworten zu können, lohnt es sich, sich mit dem Thema der Barrierefreiheit für Sehbehinderte zu befassen. Sie gehören zu den Menschen, die bei schlecht strukturierten und geschriebenen Webseiten die größten Probleme haben. Haben wir hingegen hier eine gute Basis geschaffen, gilt das zugleich in Teilen für alle anderen Benutzergruppen.

    Das von der Bundesregierung geförderte Projekt Barrierefrei informieren und kommunizieren, kurz BIK, kommt zu folgenden Schlüssen. Nur ein Bruchteil von Internetangeboten ist für alle Nutzer zugänglich. Laut Studien sind nur drei Komma neun Prozent der deutschen Webseiten zu den W3C-Standards konform. Die Nichteinhaltung der Standards bedeutet wiederum schlecht strukturierte Seiten. Das heißt zum Beispiel, dass die Bedienung mit mobilen Endgeräten wie PDAs oder Handys erschwert wird.

    Um deutlich zu machen, warum Barrierefreiheit nicht nur Randgruppen etwas angeht, gibt es folgende Aussagen: Allein in Deutschland gibt es sechs Komma sieben Millionen anerkannte schwerbehinderte Menschen. Davon sind vor allen Dingen sehbehinderte und hörgeschädigte Menschen am stärksten von Barrieren im Internet betroffen. Aber auch die Generation fünfzig plus, wird als Internetbenutzer immer interessanter.

    Auch diese älteren Menschen haben mit schlecht strukturierten Webseiten sehr große Probleme. Und schließlich profitieren auch Menschen einer anderen Muttersprache davon, wenn Webseiten übersichtlich und verständlich gestaltet sind. Das Fazit von BIK: Insgesamt können siebenundfünfzig Prozent der Computernutzer von einer barrierefreien Gestaltung von Webseiten profitieren. Ich meine, das ist eine Zahl, über die sich wirklich nachzudenken lohnt.

    Diese Aussagen des BIK wurden auf der Fachtagung Niedersachsen eine BITV-freie Zone vom 3. Juli in Hannover diskutiert. Die Tagung war eine gemeinsame Veranstaltung des Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen, Karl Finke, und des Projektes BIK. Mit dabei unter anderem der Hamburger BIK-Koordinator Karsten Warnke. Die barrierefreie Informationstechnikverordnung, kurz BITV, schreibt Bundesbehörden den Einsatz von barrierefreien Webseiten vor.

    Niedersachsen ist eines der wenigen Länder, die eine solche Verordnung auf Länderebene nicht umgesetzt hat. Die Tagung wirbt natürlich für die Umsetzung, doch in erster Linie geht es uns hier um die Anwender und ihre Erfahrungen mit schlecht zugänglichen Webseiten. Ich habe Carsten Warnke gefragt, wie er als Sehbehinderter Webseiten nutzt. Hören wir doch mal rein.

    Sie haben selbst eine, Sehschwäche. Wie benutzen Sie das Internet?

  6. Karl

    Ja, wie ich vorhin schon sagte, ist es manchmal ein bisschen, ein bisschen krampfig, weil gerade neue Internetseiten, die ich nicht kenne, die erschließen sich eben sehr mühsam, weil ich mit einem Vergrößerungssystem eine

  7. David

    Nutzen Sie denn die Braillezeile oder wie lassen Sie, wie erfahren Sie das Internet?

  8. Karl

    Nur über Aussprache. Ganz einfach gesagt, ich bin später blindet. Und als ich nach dem vierten, fünften Semester meine Statistik vor mir hatte und die ganzen Mathematikformeln, meine kleine Studentenbude nur noch von irgendwelchen,, Buntstiftblätter rumflatterte. Da habe ich gesagt: So, jetzt Schluss mit lustig.

    Jetzt arbeitest du mit Kassette und Gedächtnis und nimmst eigentlich, Blindenschrift dann nur noch verwandt, um mir kurze Notizen zu machen, um nicht aus der Kur zu geraten bei Vorträgen. Das klappt auch so inzwischen.

  9. David

    Das hört sich für mich erst mal sehr kompliziert an, wie Karl Finke Webseiten liest, denn er muss sie ja hören. Von der Tagung habe ich deshalb ein Hörbeispiel mitgebracht. Der Screenreader liest uns die Startseite vom BIK vor und da hören wir jetzt mal rein.

  10. Einspieler

    Verbindung zu A T T P w w w direkt. Zum Inhalt. BIK barrierefrei informieren und kommunizieren. Navigationsservice Menü. Hilfeinhaltsverzeichnis Wörterbuch. Kontakt. Anfang von Formular eins. Suche. Text. Suchwort Bindestrich Ereignis. Suchen. Bildschaltfläche. Ende von Formular eins. Hauptmenü. Über BIK Beratung Test Testverfahren Infothek. Anfang von Formular zwei. Darstellung. Anfang des Auswahlmenüs mit vier Elementen. Ausgeblendet. S T A N D A R D ausgewählt. Ende des Auswahlmenüs.

  11. David

    Puh, also ich hatte große Probleme, diesem Text zu folgen, muss ich ganz ehrlich zugeben. Sich auf Vorgelesenes in dieser Qualität, also mit dieser, sehr künstlichen Stimme zu konzentrieren, das hat mir sehr viel abgefordert. Und, liebe Hörer, das war noch ein Positivbeispiel einer barrierearmen Webseite, eben vom BIK. Also ich möchte mir gar nicht erst vorstellen müssen, wie sich erst schlecht strukturierte Webseiten anhören.

    Mit Karl Finke habe ich dann weiter darüber gesprochen, welchen Entwicklungsbedarf er eigentlich sieht und vor allen Dingen bei wem.

    Sind die Ziele erreicht worden heute oder erhoffen Sie sich ein bisschen Impuls auch von den, Webdesignern, dass da ein bisschen mehr kommt jetzt?

  12. Karl

    Ja, aus meiner Sicht auf jeden Fall schon, dass gerade die Webdesigner sich einbringen und im Arbeitskreis mitwirken, der von BIK jetzt initiiert wird und dann auch im Dialog mit behinderten Menschen sagen: Was brauchen wir? Die behinderten Menschen als Experten in ihren Angelegenheiten mit ernst nehmen und durch den Dialog zu den Webdesignern und behinderten Menschen...

  13. David

    Unter den Vortragenden war auch die Fachfrau Ulrike Peter vom Institut für Informationsmanagement Bremen, kurz IVIP. Sie ist der Meinung, dass die Umstellung von Webseiten auf Barrierefreiheit nicht zwingend auf großen Widerstand bei den Verantwortlichen treffen muss.

  14. Ulrike

    Also es ist schnell, man kann schnell anschaulich machen. Das ist das Schöne bei der Barrierefreiheit, was ja, also in so einem anderen Bereich parallel, würde ich jetzt mal sagen, Gender Mainstreaming oder so. Da hat man häufig, eher noch mal mehr Überzeugungsarbeit zu leisten. Und trotzdem ist es in den Behörden mittlerweile durchgesetzt und ich denke, so wird es mit der Barrierefreiheit auch sukzessive kommen.

    Aber bei der Barrierefreiheit kann man natürlich schnell anschaulich, wie auch hier jetzt bei den anderen Vortragenden zeigen, das und das geht nicht und dann leuchtet das jedem Entscheidungsträger einfach ein.

  15. David

    Der BIK sagt übrigens dazu: Barrierefreiheit ist ein Aufwand, der sich lohnt. Folgende Beispiele nennt der BIK als besonderen Nutzen barrierefreier Webseiten. Zum einen kann man da dadurch einen größeren Kundenkreis gewinnen. Viele ältere und vor allem behinderte Menschen nutzen die Webseiten. Die Webseiten werden für Suchmaschinen optimiert und barrierefrei heißt auch eine Standardkonformität und validen Code.

    Die Feuerwehrunfallkasse Niedersachsen stellte auch ihre barrierearme Webseite vor. Freiwillig setzte sie die BTV um. Die Umstellung auf die Barrierefreiheit dauerte ein halbes Jahr. Der Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen, Hans-Werner Lange, zieht aus der Veranstaltung folgendes Fazit:

  16. Einspieler

    Vielleicht können Sie nach der heutigen Tagung ein wenig nachempfinden, wie es einem blinden Menschen geht, der vor seiner Sprachausgabe oder seiner Braillezeile sitzt und eigentlich an unserer Informationsgesellschaft teilhaben möchte, aber ihn plötzlich barriereische, technische Barrieren dazu bringen, aussteigen zu müssen.

  17. David

    Es liegt an uns Webdesignern, dafür zu sorgen, dass möglichst jeder leichten Zugang zu unseren Informationen im Internet hat. Wichtig ist aber der Kontakt zu den Betroffenen. Solange wir uns an die Webstandards halten und barrierefreie Webseiten schreiben, können alle davon profitieren. Die Veranstaltung hat mir wieder mal gezeigt, wie wichtig die Thematik ist.

    Eure Kommentare bitte an echo@Technikwürze.de oder direkt im Kommentarbereich auf Technikwürze.de. Musik präsentiert von Podsave Music Network.

    Zum entspannten Ausklang spielen wir in der Technikwürze Amy McLean mit My Little Habit Utah Girl. Nadja Müller, Marcel Schwarzenberger und ich sagen danke fürs Zuhören. Wir hören uns wieder nächsten Montag. Bis dahin.

  18. Einspieler

    I got a fire, whoa. Nothing is burning. Only when I tired. My stomach stop churning. Oh, mama, help me, please. Cause you brought me to my knees. I'm here and I cannot stand. Closed heart and an open hand. Sometimes I think that I'm faking. This can't be for real. All of the fuss that I'm making. Over the way that I feel. But I got your answer. Whoa. So ask away. No matter the question. You know I know what to say. Oh, daddy, help me, please. Cause he left me on my knees.

    I'm here and I cannot run. Trigger finger with an empty gun. Go on. Run away. Cause I can't explain the situation. My excuse is a mental break. Or perhaps a retaliation. Watch your pattern now. Try to take some notes or make reparation. Or if you want I can run in place. There's such comfort in stagnation. Oh, sister, help me, please. Cause you're with me on my knees. We're here and we cannot see. Stolen past, clouded memory. Oh, daddy, help me. Help me. Cause I got this habit.

    Maybe you recognize me. You know if I grab it. Maybe you won't despise me.

Reportage von der Fachtagung „Niedersachsen – eine BITV-freie Zone“

Was können wir als Webentwickler dafür tun, dass Menschen einen leichteren Einstieg in unsere Webseiten erhalten? Um diese Frage beantworten zu können, lohnt es sich, mit dem Thema der Barrierefreiheit für Sehbehinderte zu befassen. Sie gehören zu den Menschen, die bei schlecht strukturierten und geschriebenen Webseiten die größten Probleme haben. Haben wir hingegen hier eine gute Basis geschaffen, gilt das zugleich in Teilen für alle anderen Benutzergruppen.
Das von der Bundesregierung geförderte Projekt „Barrierefrei Informieren und Kommunizieren“, kurz BIK, kommt zu folgenden Schlüssen:

Nur ein Bruchteil von Internetangeboten ist für alle Nutzer zugänglich. Laut Studien sind nur 3,9 Prozent der deutschen Webseiten zu den W3C-Standards konform. Die Nichteinhaltung der Standards bedeutet schlecht strukturierte Seiten. Heisst zum Beispiel, dass die Bedienung mit mobilen Endgeräten, wie PDAs und Handys erschwert wird.

Um deutlich zu machen, warum Barrierefreiheit nicht nur Randgruppen etwas angeht, folgende Aussagen: Alleine in Deutschland gibt es 6,7 Millionen anerkannte Schwerbehinderte Menschen. Davon sind vor allen Dingen sehbehinderte und hörgeschädigte Menschen am stärksten von Barrieren im Internet betroffen. Auch die Genration 50 Plus werden als Internetnutzer immer interessanter. Auch sie haben mit schlecht strukturierten Webseiten große Probleme. Und schließlich profitieren auch Menschen einer anderen Muttersprache davon, wenn Webseiten übersichtlich und verständlich gestaltet sind. Fazit: Insgesamt können 57 % der Computernutzer von einer barrierefreien Gestaltung von Webseiten profitieren. Das ist eine Zahl, über die sich nachzudenken lohnt.

Diese Aussagen des BIK wurden auf der Fachtagung „Niedersachsen – eine BITV-freie-Zone“ vom 3. Juli in Hannover diskutiert.
Die Tagung war eine gemeinsame Veranstaltung des Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen Karl Finke und des Projektes BIK. Mit dabei: Unter anderem der Hamburger BIK-Koordinator Karsten Warnke.
Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung, kurz BITV, schreibt Bundesbehörden den Einsatz von barrierefreien Webseiten vor. Niedersachsen ist eines der wenigen Länder, die eine solche Verordnung auf Länderebene nicht umgesetzt hat.
Die Tagung wirbt natürlich für die Umsetzung, doch in erster Linie geht es uns hier um die Anwender und ihre Erfahrungen mit schlecht zugänglichen Webseiten.
Ich habe Karsten Warnke gefragt, wie er als sehbehinerter Webseiten nutzt.
(Interview)

Das hört sich für mich erst einmal sehr kompliziert an, wie Karl Finke Webseiten „liest“, denn er muss sie ja hören. Von der Tagung habe ich deshalb ein Hörbeispiel mitgebracht. Der Screenreader liest uns die Startseite vom BIK vor. Und da hören wir jetzt mal rein.
(Audio-Mitschnitt eines Screenreaders)

Ich hatte große Probleme, diesem Text zu folgen. Sich auf vorgelesenes in dieser Qualität zu konzentrieren, fordert mir sehr viel ab. Und das war ein Positivbeispiel einer barrierearmen Webseite. Ich möchte mir gar nicht vorstellen müssen, wie sich schlecht strukturierte Webseiten anhören.

Mit Karl Finke habe ich dann weiter darüber gesprochen, welchen Entwicklungsbedarf er eigentlich sieht, und vor allen Dingen bei wem.
(Interview)

Unter den Vortragenden war auch die Fachfrau Ulrike Peter vom Institut für Informationsmanagement Bremen, kurz ifib. Sie ist der Meinung, dass die Umstellung von Webseiten auf Barrierefreiheit nicht zwingend auf großen Widerstand treffen muss.
(Interview)

Die Feuerwehrunfallkasse Niedersachsen stellte auch ihre barrierearme Webseite vor. Freiwillig setzte sie die BITV um. Die Umstellung auf die Barrierefreiheit dauerte ein halbes Jahr.

Es liegt an uns Webentwicklern, dafür zu sorgen, dass möglichst jeder leichten Zugang zu unseren Informationen im Internet hat. Wichtig ist aber der Kontakt zu den Betroffenen. So lange wir uns an die Webstandards halten und barrierefreie Webseiten schreiben, können alle davon profitieren. Die Veranstaltung hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Thematik ist.

Usability - Ein Überblick

Lassen Sie Ihre Besucher nicht unnötig nachdenken heißt es im Buch "Don't make me think" von Steve Krug, das mittlerweile zu einem der Standardwerke im Bereich Website-Usability geworden ist. Und damit fasst es die Kernaussage der Usability hervorragend zusammen: Erleichtern Sie Ihren Besuchern also die Arbeit auf Ihrer Webseite.

Doch was ist Usability?

Usability bedeutet Benutzerfreundlichkeit bzw. Gebrauchstauglichkeit und bezeichnet die Eignung einer Webseite oder Anwendung in Bezug auf seine Verwendung. Und benutzerfreundliche Webangebote zu entwickeln gehört zu den wichtigsten und leider auch am häufigsten vernachlässigten Aufgaben eines Webentwicklers.

Wieso ist Usability wichtig?

Die Website Usability Knowhow gibt darauf folgende Antwort:

Aus der Sicht des Benutzers ist Usability deshalb so wichtig, weil der Benutzer seine Aufgabe entweder richtig und vollständig mit dem System erledigen kann oder nicht. Er kann den Arbeitsprozess entweder gerne vollziehen oder frustriert sein, weil es nicht funktioniert. Aus Entwicklersicht ist Usability deshalb so wichtig weil es den Erfolg oder Misserfolg eines Systems bestimmt. Fehlende Benutzerfreundlichkeit kostet Zeit und Aufwand und bestimmt über den Erfolg eines Systems. Gibt man den Benutzern die Wahl, würden sie immer dazu tendieren ein benutzerfreundliches System zu kaufen.

Wie setze ich das um?

Besucher einer Website besuchen diese Website mit bestimmten Zielen, z.B. um etwas zu kaufen oder Informationen zu finden. Und das wollen sie sofort. Daher ist es wichtig, bei der Erstellung einer Website, einfache Forderungen zu beachten, die es dem Nutzer einfacher machen, sein Ziel zu erreichen:

  1. Vermeide Hindernisse.
  2. Vermeide unnötige Wartezeiten.
  3. Vermeide Einarbeitung.

In unzähligen Büchern, Artikeln und Präsentation wird auf das Thema eingegangen, wir haben euch die aus unserer Sicht besten herausgesucht. Die Links findet ihr in der Mitschrift zu diesem Beitrag.

Empfehlungen zur Lektüre:

Mikroformate

Bei Mikroformaten handelt es sich um ein Set an einfachen und offenen Standards zur semantischen Auszeichnung von Daten auf Basis weit verbreiteter existierender Formate. Ziel von Microformats ist es, existierenden und zukünftigen Microcontent (z.B. einen Blog-Eintrag) so zu erweitern, dass er nicht nur in erster Linie für Menschen lesbar ist, sondern in zweiter Linie auch für Maschinen interpretierbar wird. Microformats gehen nach der Trennung von Inhalt und Form durch XHTML und CSS einen Schritt weiter und berreichern bestehendes XHTML um Auszeichnungsstandards, die es ermöglichen, auf einfache und unkomplizierte Art und Weise, die enthaltenden Informationen so auzuzeichnen, dass sie eine Semantik aufweisen, die auch Maschinen interpretieren können.

Durch die Nutzung von Mikroformaten wird der Inhalt, den wir produzieren, wertvoller, da er wiederverwertbar ist. Er kann, einmal erzeugt, extrahiert und in andere Anwendungen intergriert werden, um ein strukturierteres Bloggen und eine strukturiertere Mikrocontent-Veröffentlichung zu erhalten.

Nützliche Informationen zu Mikroformaten erhaltet ihr bspw. im deutschprachigen Wiki zu Mikroformaten, auf der offiziellen Microformats-Website oder bei Eric Eggert:

Nützliche Quellen

Heute wollen wir euch zwei sehr nützliche Quellen für die Webentwicklung näher bringen:

  • Kostenlose Vorlagen für Webseiten erhaltet ihr auf Open Source Web Design (www.oswd.org). Die meisten der angebotenen Templates basieren auf XHTML und CSS und werden unter unterschiedlichen Lizensen zur kostenlosen Nutzung angeboten.
  • Zehn Webentwickler-Sammlungen zu JavaScript, Ajax, PHP, CSS und Farbenlehre werden von Cameron Olthuis in seinem Beitrag "Top 10 Web Developer Libraries" 1 genannt.

Die Musik

Zum entspannten Ausklang spielen wir in der Technikwürze Amy MacClain mit „My Little Habit UtahGirl“.

Fußnoten

  1. Link entfernt, da nicht mehr erreichbar ↩ a ↩ b ↩ c ↩ d ↩ e ↩ f ↩ g

Erwähnungen 3

Kommentare 4

  • Schöner Podcast. Er erinnert mich wieder daran, wie wichtig es ist, in den ganzen Diskussionen um Barrierefreiheit auch mal einen Blick auf die Praxis zu werfen: mal sehen, wie Blinde mit dem Computer arbeiten, mal hören, wie ein Screenreader Internetseiten vorliest. Das kann man z.B. auf einer DVD, die es beim Bundesministerium f. Gesundheit schon seit längerem kostenlos gibt:
    http://www.bmg.bund.de/cln_040/SharedDocs/Publikationen/Videos/d-002-10243
    Wenn man die Public Relations für die Gesundheitsministerin abzieht, ist diese DVD ganz informativ. Blinde, Sehbehinderte und motorisch behinderte Menschen erläutern ihre Hilfmittel für das Internet und man bekommt einen kleinen Einblick in ihre Internet-Welt.

  • Danke für den Link, Dörte. Allerdings muss ich sagen, dass ich die DVD nach dem Ablegen im Warenkorb über das Menü nicht innerhalb der Seite gefunden habe. Da sollte man noch einiges seitens des BMG ändern ;-).

  • Wenn ihr ein Mikrofon abgeschlossen habt am Computer, könnt ihr eure Audiokommentare hinterlassen. Viel Spaß´!

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